Quelle: Landwirtschaftliches Wochenblatt Mai 2012

Mit „Romy“ auf Platz 1

Familie Schulte-Märter in Soest-Lendringsen lebt für Westfalens Pferde

 

Wenn es um Zucht und Ausbildung westfälischer Pferde auf Westfalens Bauernhöfen geht, steht Familie Schulte-Märter auf ihrem 110 Hektar großen Musterbetrieb in Soest-Lendringsen seit Jahrzehnten an vorderster Front. Von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) mit der Höchstbewertung von fünf Sternen für Pension-und Jungpferdeaufzucht bedacht. Mit Stute „Romy“ v. Rock Forever bei der 45. Westfälischen Eliteschau 2010 für dreijährige Reitpferdestuten zu Handorf auf Platz 1 gestellt und im selben Jahr mit „Romy“ außerdem Sieger beim Bundesstuten-Championat in Lienen: Landwirtschaftsmeister, passionierter Pferdezüchter und Ausbilder Hendrik Schulte-Märter (39) erntet heute das, was seine Eltern und er in den zurückliegenden fünf Jahrzehnten züchterisch wie organisatorisch aufgebaut haben. Mit dem Ergebnis eines über Westfalen weit hinaus angesehenen, erfolgreichen Pferdezuchtbetriebes. Begonnen Ende der 1960er-Jahre durch die Eltern Heinrich Schulte-Märter (68) und Frau Hildegard geb. Wallrabe. Die Zukunft und damit beide nachwachsenden Kinder des Betriebsleiters nicht zu vergessen: Sohn Niklas (16), der seiner vierjährigen Stute „Roxane“ mit „Fürstenball“ soeben den passenden, selbst ausgewählten Hengst zugeführt hat. Und die 15jährige Tochter Antonia. Beide Junioren gehen noch zur Schule und sind, wie Vater und Großeltern, von früher Kindheit her mit Pferden vertraut und „sattelfest“.

Alles in allem stehen in zwei Dutzend luftigen, sonnigen, sehr geräumigen und fast allesamt mit Fenster versehenen Boxen verschiedener ehemals landwirtschaftlicher Gebäude an die 70 Tiere. Das sind erst einmal Zuchtstuten der Eigentümerfamlie mit ihrem zahlreichen Nachwuchs. Die Hengstjährlinge tollen fröhlich in einem sonnenhellen Gemeinschaftsstall, der früher einmal „Miste“ gewesen ist. In gesondertem Bau, an ruhigster Stelle, Traumstute „Romy“, hochtragend. Hinzu kommen die Pensionspferde. Außerhalb des für die Soester Börde und den Haarstrang typischen Hof-Karrés, befinden sich Dressurplatz (seit 30 Jahren), 20 x 40 m große Reithalle (seit 1995), Führanlage (seit 2009), ferner Futterläger. Alles in massiven, sommertags kühlen, im Winter warmen Gebäuden dreier Vorgenerationen, „die wir umbauen, erweitern und modernisieren, seit ich 1968 auf diesen Hof gekommen bin“, erzählt der mithelfende Senior Heinrich Schulte-Märter. „Am meisten Spaß macht mir morgens und abends die Fütterung unserer Pferde. Sie sind mir allesamt ans Herz gewachsen und faszinieren mich mit ihrer Lebensfreude täglich neu!“ Einziger außerfamiliäre Ganztageskraft ist ein angestellter Pferdewirt .

Immer mehr Pensionspferde

Betriebsleiter Hendrik Schulte-Märter verbringt inzwischen 90 v.H. seiner Arbeitszeit im Bereich Zucht und Ausbildung junger Pferde, Schwerpunkt Dressur, bis zu Prüfungsabschlüssen der Klassen L und M. Dabei hat der heutige „Chef vom Ganzen“ natürlich auch die herkömmliche Ackerwirtschaft des Hofes im Blick: Von den verfügbaren 110 LF auf 200 m über NN (Bodenpunktzahlen: 40 – 75) werden 15 ha als Grünland genutzt. Der große Rest Landes dient dem Pflanzenbau. Das sind in diesem Jahr 40 ha Weizen, je 22 ha Gerste und Raps sowie 11 ha Hafer für den eigenen Trog. Wobei der Pensionspferdeversorgung auf dem Hof eine immer größere Bedeutung zukomme, stellt der Betriebsleiter fest. „Die Nachfrage ist aufgrund unserer stadtnahen Lage, der gepflegten Ausreitwege bis in das frühere Bundeswehrgelände, aber ebenso auch aufgrund unseres ausgefeilten Stall- und Ausbildungsangebots, erfreulich stark.“ So dass der Betrieb, trotz Nutzung aller früheren Viehställe und Scheunen, irgendwo bald an seine Kapazitätsgrenzen stößt.

Kühe weg, Pferde rein

Dabei fand der 1968 von seinem elterlichen 30 ha-Betrieb in Castrop-Rauxel auf Hof Wallrabe in Lendringsen geheiratete Heinrich Schulte-Märter hier zunächst einen der typischen, bäuerlichen Gemischtbetriebe vor. Bis der heutige Senior zu seiner Zeit viele Hengstfohlen gezogen und gekauft hat,von denen über 30 gekört wurden, musste erst einmal die eigene Zuchtlinie aufgebaut werden. Von zu Haus aus war Heinrich Schulte-Märter mit Kaltblutpferden  vertraut. In Lendringsen wurde zunächst mit einer Hannoveranerstute begonnen. Doch bald standen  nur noch „Westfalen“ im Stall. „Kühe weg – Pferde rein!“, lautete ab 1968 die Parole. Nebenbei lief die bis zu 80 Plätzen gesteigerte Bullenmast, und  bis Mitte der 1990er-Jahre wurden auch noch Schweine gemästet. 1975 entstand eine Maschinenhalle; bis heute werden landwirtschaftlichen Geräte mit einem Kollegen gemeinsam angeschafft und genutzt. Das zweigeschossige Klinker-Wohnhaus des Betriebsleiters stammt von 1933. Seit 2003 gibt es im südlichen Bauerngarten ein schickes Altenteil. Auf den Dächern von Reithalle und Viehhaus liegen seit 2010 PV-Module mit einer Leistung von 92 kWp.

Vorfahren der heutigen Seniorin Hildegard Schulte-Märter geb. Wallrabe waren seit 1685 im Besitz des Hofes Büser.Seine Größe lag seit 1913 zwischen 30 und 40 Hektar. Lendringsen selbst besteht seit 1291.  Das heutige 170 Einwohner große Dorf zählte 1968 vier Vollerwerbs- und zwei  Nebenerwerbsbetriebe. Hendrik Schulte-Märter: „Heute sind wir die letzten Bauern im Dorf.“ Ehrenamtlich gehört Hendrik Schulte-Märter dem Vorstand des Westf. Pferdestammbuches an, zugleich als Kreisvorsitzender. Hildegard Schulte-Märter sitzt im Rat der Stadt Soest, ist Ortsvorsteherin, überdies stellv. Kreisvorsitzende der Landfrauen und 2. Vorsitzende im Fachschul-Beirat der Landwirtschaftskammer. Ihr Ehemann war, vor seinem Sohn, ebenfalls lange Jahre Vertreter des Kreises Soest beim Westfälischen Pferdestammbuch, um dort seine reichen züchterischen Erfahrungen einzubringen.                                                                  Friedrich Schütte